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Förderbeginn 01.07.2016
Identifizierung neuartiger HIV-1 - Eintrittsinhibitoren aus synthetischen kombinatorischen Peptidbibliotheken
Prof. Dr. Jutta Eichler
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Department Chemie und Pharmazie
Dr. Clemencia Pinilla
Torrey Pines Institute for Molecular Studies
Die Therapie von Infektionen mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV), dem Auslöser der Immunschwächekrankheit AIDS, erfordert eine lebenslängliche Medikation mit einem Cocktail von Medikamenten, die beträchtliche Nebenwirkungen haben können. Darüber hinaus entwickelt das HI-Virus aufgrund seiner starken genetischen Variabilität schnell Resistenzen gegen klinisch eingesetzte Arzneimittel, was häufig eine nachhaltige Therapie erschwert. Daraus erklärt sich ein anhaltender Bedarf an neuen HIV-Medikamenten, die möglichst auch neue Wirkmechanismen besitzen sollten. Das Ziel dieses Projekts ist es, mithilfe synthetischer Peptidbibliotheken Moleküle zu identifizieren, die eine spezifische Region auf dem HIV-Hüllprotein gp41 – den sogenannten Disulfidloop – nachahmen. Dieser Bereich ist spielt in den beim HIV-Eintritt in die Wirtszelle ablaufenden molekularen Interaktionen eine wichtige Rolle. Disulfidloop-mimetische Peptide könnten daher aussichtsreiche Ausgangspunkte für die Entwicklung neuartiger HIV-Eintrittsinhibitoren sein.
Abschlussbericht
Die Therapie von Infektionen mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV), dem Auslöser
der Immunschwächekrankheit AIDS, erfordert eine lebenslängliche Medikation mit einem
Cocktail von Medikamenten, die beträchtliche Nebenwirkungen haben können. Darüber hinaus
entwickelt das HI-Virus aufgrund seiner starken genetischen Variabilität schnell Resistenzen
gegen klinisch eingesetzte Arzneimittel, was häufig eine nachhaltige Therapie erschwert.
Daraus erklärt sich ein anhaltender Bedarf an neuen HIV-Medikamenten, die möglichst auch
neue Wirkmechanismen besitzen sollten.
Der Eintritt von HIV in seine Wirtszelle wird durch eine Kaskade molekularer Interaktionen
zwischen viralen Proteinen und zellulären Rezeptoren vermittelt. Eine spezifische Hemmung
dieser Wechselwirkungen ist eine aussichtsreiche Therapie-Strategie, da sie die Infektion der
Zelle unterbindet und nicht erst die Virusreplikation innerhalb einer bereits infizierten Zelle.
Nur zwei solcher Eintrittsinhibitoren wurden bisher für die klinische Anwendung in Europa
und den USA zugelassen. Daher zielt unser Forschungsprogramm auf die Entwicklung
neuartiger peptidischer Inhibitoren der am HIV-Eintritt beteiligten Protein-Protein-
Interaktionen ab.
Das Ziel dieses Projekts war es, mithilfe synthetischer Peptidbibliotheken Moleküle zu
identifizieren, die von drei verschiedenen anti-HIV- Antikörpern (b12, VRC01 und F240)
erkannt werden. Die Epitope dieser Antikörper befinden sich in unterschiedlichen Bereichen
des viralen Oberflächen-Glycoproteins, nämlich in der CD4-Bindungsstelle von gp120 (b12
und VRC01) und im Disulfidloop von gp41 (F240). Peptide, die diese Epitope nachahmen sind
aussichtsreiche Kandidaten für neue HIV-Eintritssinhibitoren, da zu erwarten ist, dass diese
Peptide die Anheftung des Virus an seine Wirtszelle im Sinne einer kompetitiven Inhibition
verhindert. Ein spezifischer Vorteil synthetischer Peptide – im Vergleich zu rekombinant
hergestellten Peptiden und Proteinen – besteht darin, dass sie sowohl als exakte Kopien von
Proteinfragmenten als auch mit mannigfaltigen chemischen Modifizierungen hergestellt
werden können, einschließlich des Einbaus einer Vielzahl nicht proteinogener Aminosäuren.
Neben der Erweiterung der chemischen und strukturellen Vielfalt erhöhen diese
Modifizierungen auch die proteolytische Stabilität der Peptide, was ihr Potential als
Wirkstoffkandidaten enorm erhöht.
Im Rahmen dieses Projekts wurde eine Reihe kombinatorischer Bibliotheken von Peptiden und
Peptidomimetika, einschließlich von nur aus D-Aminosäuren bestehenden Peptidbibliotheken,
auf ihre Fähigkeit zur Inhibition der Interaktion der drei ausgewählten Antikörper mit gp120
bzw. gp41 getestet. Diese Arbeiten wurden im Labor von Frau Dr. Clemencia Pinilla
durchgeführt, die zu den Pionieren auf dem Gebiet der Herstellung und Nutzung synthetischer
kombinatorischer Bibliotheken gehört. Der Zugang zu den Peptidbibliotheken sowie zu der
entsprechenden umfassenden Expertise und Erfahrung im Labor von Dr. Pinilla hat
entscheidend zum Erfolg dieses Projekts beigetragen. Im Ergebnis des Projektes wurde eine
Reihe von Peptid-Inhibitoren der untersuchten Antigen-Antikörper-Interaktionen identifiziert,
die nun eingehender auf ihre Virus-neutralisierende Aktivität sowie ihre Eignung als
Komponenten heterodimerer Peptide als Kandidaten für neuartige HIV-Eintrittsinhibitoren
untersucht werden.