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Förderbeginn 01.01.2017
Vernetze Regelung über Kommunikationskanäle mit großen Totzeiten
Prof. Dr. Sandra Hirche
Technische Universität München
Lehrstuhl für Informationstechnische Regelung
Prof. Dr. Miroslav Krstic
University of California, San Diego
Department of Mechanical and Aerospace Engineering
Cyber-physische Systeme (CPS) wie zum Beispiel in intelligenten Produktionsanlagen und Energienetzen sowie in autonomen Fahrzeugen sind charakterisiert durch Regelkreise, die über einen mit mehreren Nutzern geteilten Kommunikationskanal geschlossen sind. Dies stellt neue Herausforderungen an den Entwurf von Regelungs- sowie Kommunikationssystemen für solche vernetzten Regelungssysteme. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes werden wir Regelkreise betrachten deren drahtlose Sensoren sich den resourcen-limitierten Kommunikationskanal untereinander teilen um den Regelkreis zwischen den Sensoren und den Reglereinheiten zu schließen. Ein Mediumzugriffsmechanismus (MAC) entscheidet, welche Datenpackete über das Kommunikationsnetz weiter gegeben werden und welche nicht. Es ist bekannt, dass MAC-Protokolle zu einer hohen Ende-zu-Ende-Latenz beitragen, deren Länge von der Netzauslastung abhängt. Latenyen im geschlossenen Regelkreis führen zu Qualitätseinbußen und können sogar Instabilität verursachen. Ziel dieses Projekts ist der Entwurf von Methoden für den gemeinsamen Entwurf von drahtlosem Resourcen-Management im Sinne der Mediumzugriffsregelung und vernetzer Regelung mit expliziter Berücksichtigung der Zeitverzögerung.
Abschlussbericht
Cyber-physische Systeme (CPS) wie intelligente industrielle Produktionslinien (Industrie
4.0), intelligente Energienetze und autonome Fahrzeuge zeichnen sich durch Regelkreise
aus, die über einen gemeinsamen Kommunikationskanal geschlossen werden. Dies stellt
neue Herausforderungen an den Entwurf von Regelungs- und Kommunikationssystem.
Wir betrachten einen Rückkopplungsregelkreis, bei denen drahtlose Sensoren ihre Daten
über einen ressourcenbegschränkten Kommunikationskanal senden, um den Regelkreis
zwischen den Sensoren und den Regler zu schließen. Das Medienzugriffsprotokoll
(MAC) entscheidet, wann welche Datenpakete über das Kommunikationsnetzwerk
weitergeleitet werden. Es ist bekannt, dass MAC-Protokolle zu einer hohen Ende-zu-
Ende-Latenz beitragen, deren Länge von der Netzwerklast abhängt. Die Latenz in einem
geschlossenen Regelkreis beeinträchtigt die Regelgüte erheblich und kann sogar zu
Instabilität führen.
Eines der am häufigsten in der technischen Praxis verfolgten Ziele besteht darin, den
Ausgang eines Systems zu maximieren, zum Beispiel die Regelgüte. Im Gegensatz zu
den meisten Methoden der adaptiven Regelung, kann die Extremwertsuche, auch
bekannt als selbstoptimierende Regelung oder Extremwertregelung, den Ausgang ohne
Kenntnis auf dem optimalen Wert halten ohne der Kenntnis der zugrundeliegenden
Eingangs-Ausgangs-Abbildung.
In diesem Projekt haben wir einen allgemeinen skalaren stochastischen Extremum-
Seeking-Algorithmus für Systeme mit (großer) konstanter Latenz entwickelt.
Die gegebene Problemstellung erfordert das Maximieren oder Minimieren beliebig hoher
Ableitungen des Ausgangs einer unbekannten dynamischen Strecke in der Gegenwart
sowohl bekannter als auch konstanter Totzeiten. Mit Hilfe des Newton-Verfahrens findet
unser entwickelter Ansatz die zum gewünschten Extremum korrespondierende Nullstelle,
während gleichzeitig die beliebig große Zeitverzögerung durch einen Prädiktor
kompensiert wird. Wie auch bei anderen Extremum-Seeking-Algorithmen sind wir auf
perturbations-basierte Schätzungen der Ableitungen angewiesen. Im Gegensatz zum
klassisch deterministischen Ansatz beschäftigen wir uns allerdings mit stochastischen
Perturbationen. Durch Nutzung eines Riccati Filters zur Schätzung der Inversen der
Hessematrix bzw. der zweiten Ableitung wird eine einstellbare Konvergenzrate
gewährleistet. Außerdem erhofft man sich eine Performanzsteigerung durch
stochastischer an Stelle deterministischer Perturbation, insbesondere für höhere
Ableitungen. Lokale exponentielle Stabilität des mathematisch reduzierten Systems wird
bewiesen und die Funktionionalität des entwickelten Algorithmus' anhand zahlreicher
Simulationen belegt.
Ergebnis und Ausblick: Es wurde ein Regler entwickelt, der einen stochastischen
Extremum-Seeking-Algorithmus in Anwesenheit von konstanten Ausgangsverzögerungen
stabilisiert.
Dieses Projekt war ein Meilenstein in der Verallgemeinerung von adaptiven Algorithmen
für Suchen nach Extrema unter Verwendung stochastischen Perturbationen. In naher
Zukunft werden wir eine Publikation zu dem oben genannten Thema veröffentlichen und
einen vollständigen Stabilitätsbeweis im Sinne der Erwartung vorlegen.