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Förderbeginn 01.07.2005
Wasser an biologischen Grenzflächen
Prof. Dr. Roland Netz
Technische Universität München
Lehrstuhl für Physik T37 - Theoretische Physik
Prof. Dr. Fyl Pincus
University of California, Santa Barbara
Materials Research Laboratory
Grenzflächen und Oberflächen spielen in der Biologie eine außerordentlich wichtige Rolle. Beispiele sind Membranen, auf denen ein Großteil der biologischen Aktivitäten konzentriert abläuft, aber auch die Oberflächen von allen Makromolekülen die bei Erkennungs und Bindungsprozessen wichtig sind. Beim Modellieren der Oberflächen wird das Wasser typischerweise vernachlässigt oder aber durch grobe Näherungen ersetzt berücksichtigt. Unser Ziel ist es durch eine Kombination von ab-initio quantenchemischen Rechnungen, analytischen Näherungen und von dynamischen Simulationsmethoden die Bedeutung der Wasserstruktur an Oberflächen und, damit eng verbunden, der biologisch relevanten Ionenspezifizität zu untersuchen. Konkret möchten wir Oberflächenpotentiale und Oberflächenspannungen von wässerigen Elektrolytlösungen für verschiedene Ionentypen berechnen und mit dem Experiment vergleichen. Die Berechnung von Ionenprofilen an Oberflächen ist theoretisch relativ direkt durchführbar, experimentell gibt es hier wenig Daten. Hier erhoffen wir Fortschritte durch anomale Röntgenstreuung.
Abschlussbericht
Im Förderprojekt "Water at Biological Interfaces" ging es um
biologisch relevante Fragestellungen die mit der Wasserstruktur und
ionenspezifischen Eigenschaften an Oberflächen zu tun haben. Im Jahr
2005 besuchte uns Herr Dr. Yong-Woon Kim aus der Arbeitsgruppe von
Prof. P. Pincus an der University of California für zwei Wochen und
wir konnten eingehend die fachliche Koordinierung der geplanten
Untersuchungen planen. Im Jahr 2006 konnten drei meiner Mitarbeiter
für jeweils 2 Wochen an der UCSB forschen.
Im einzelnen haben wir mit Hilfe von Molekular-Dynamik Simulationen die
Wasserstruktur
an Self-Assembled-Monolayers (SAM) und an hydrophoben einkristallinen
Diamantoberflächen untersucht und die Ionenverteilung von Fluorid,
Chlorid, Bromid und Jodid Ionen untersucht. Dabei stellte es sich als
wesentlich heraus, die Polarisierbarkeit der Ionen in der Simulation zu
berücksichtigen, da die starke lokale elektrische Feldstärke in der
grenzflächennahen Wasserschicht zu einer hohen Polarisierungsladung
führt. In Übereinstimmung mit experimentellen Befunden adsorbieren
die großen Jodid und Bromid Ionen an einer hydrophoben Oberfläche,
hingegen Fluorid und Chlorid werden abgestoßen. In der Zukunft
möchten wir die berechneten Ionenadsorptionsprofile, die als effektive
Wechselwirkungen zwischen der Grenzfläche und den Ionen interpretiert
werden können, in coarse-grained analytischen Modellen benutzen um
eine verfeinerte theoretische Beschreibung von geladenen und neutralen
Oberflächen zu erreichen.