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Förderbeginn 01.01.2008
Screens für Zielgene von Herz-Transkriptionsfaktoren mit Hilfe neuentwickelter genomischer Technologien
Prof. Dr. Manfred Frasch
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Lehrstuhl für Entwicklungsbiologie
Prof. Dr. Angela Stathopoulos
California Institute of Technology, Pasadena (CALTECH)
Division of Biology
Kardiogene Faktoren der NK Homeodomänen- und T-Box-Familien üben entscheidende Funktionen während der Herzentwicklung aus und sind auch bei erblichen Herzkrankheiten betroffen. Diese Faktoren sind evolutionär von Drosophila bis zum Menschen konserviert. Das kollaborative Projekt hat zum Ziel, die Vorteile des genetischen Modellorganismus Drosophila dafür zu nutzen, mit Hilfe genomweiter Screens Zielgene der wichtigsten Vertreter dieser Familien von Transkriptionsfaktoren zu identifizieren. Dafür ist geplant, Chromatin-Immunpräzipitationen aus Embryonen in verschiedenen Stadien der Herzentwicklung durchzuführen. Die präzipitierten DNA-Fragmente werden auf genomischen Microarrays getestet, um potentielle genomische Zielsequenzen für diese Faktoren zu bestimmen. Die bioinformatische und funktionelle Charakterisierung dieser Zielsequenzen und der entsprechenden Zielgene wird zu einem besseren Verständnis der Regulation der Herzentwicklung beitragen.
Abschlussbericht
Das Homeodomänen-Protein Tinman von Drosophila war der erste Transkriptionsfaktor überhaupt,
von dem gezeigt werden konnte, dass er die Bildung und Differenzierung des Herzens reguliert. Im
diesem Projekt gingen wir die Frage an, welche Zielgene von Tinman es gibt, die für die Ausübung
seiner kardiogenen Funktionen verantwortlich sind. Dazu führten wir eine genomweite Analyse der
DNA-Abschnitte sowie der flankierenden Gene durch, welche in Embryonen mit dem Tinman Protein
assoziiert sind. Diese wurden durch Chromatin-Immunopräzipitationen erhalten und auf genomweiten
Microarrays analysiert (ChIP-chip) (Jin et al., 2013). Die detaillierte Analyse der Aktivität von
Tinman-gebundenen Sequenzelementen ließ folgende Schlussfolgerungen zu: (1) Die Mehrheit
solcher Sequenzen sind als regulatorische Elemente (Enhancer) in mesodermalen Zellen aktiv, die
Tinman exprimieren. (2) Enhancer, die in Herzvorläufer- und Herzzellen aktiv sind benötigen hierzu
zumeist die Aktivität des tinman Gens, während das Tinman Protein an solche Enhancer, die in
anderen mesodermalen Bereichen exprimiert sind, meist funktionslos gebunden ist. (3) In den meisten
Fällen sind die Tinman-Bindungsmotive essentiell die Herzaktivität der entsprechenden Enhancer,
aber in manchen Fällen sind sie funktionell redundant mit Motiven von kardiogenen Faktoren anderer
Transkriptionsfaktor-Familien. (4) Die Tinman-assoziierten Herz-Enhancer enthalten bevorzugt ein
neu entdecktes Sequenzmotiv, an welches ein bisher unbekannter Faktor binden muss, um die
normale Enhancer-Funktion in vivo zu gewährleisten.
Jin, H., Stojnic, R., Adryan, B., Ozdemir, A., Stathopoulos, A., Frasch, M., 2013. Genome-wide
screens for in vivo Tinman binding sites identify cardiac enhancers with diverse functional
architectures. PLoS Genet. 9, e1003195.