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Förderbeginn 01.07.2008
Interne Modelle alltäglicher Manipulationsaufgaben
Prof. Dr. Michael Beetz
Technische Universität München
Lehrstuhl für Informatik IX - Intelligent Autonomous Systems
Prof. Dr. Stefan Schaal
University of Southern California, Los Angeles
Department of Computer Science and the Neuroscience Program
Ein sehr eindrucksvoller Aspekt menschlicher Manipulationsfähigkeiten im
Umgang mit Gegenständen in alltäglichen Umgebungen ist, dass wir in der
Lage sind, die auszuführenden Greifbewegungen sehr geschickt zu wählen
und zu parameterisieren, um stets geschmeidige, vorhersagbare und
effiziente Bewegung hervorzubringen. Außerdem ist es uns möglich, diese
Fähigkeiten mit nur wenig Erfahrungswerten automatisch zu erlernen und
sie bei Bedarf automatisch anzupassen. Um diese Flexibilität zu
erreichen, konstruiert das Gehirn interne Modelle der Interaktion des
menschlichen Körpers mit der Welt: inverse Modelle, die die
Bewegungsbefehle festlegen, die erforderlich wären, um einen Zielzustand
zu erreichen, und Vorwärtsmodelle, die den Folgezustand aus den
gegenwärtigen Bewegungsbefehlen vorhersagen.
Unsere Forschungsgruppen werden zusammenarbeiten um Berechnungsmodelle
der Bewegungssteuerung für Manipulationsaufgaben zu entwickeln und diese
Modelle schlussendlich in einem Robotersystem zu implementieren. Der
Schwerpunkt wird auf der Untersuchung interner Modellen im Kontext von
umfangreichen Manipulationsaufgaben liegen, wie sie für alltägliche
Arbeiten vonnöten sind. Langfristig wird die Benutzung solcher auf
Entdeckungen der Kognitionswissenschaft basierender Berechnungsmodelle
sowohl die menschliche Steuerung von Roboterprothetik als auch die
Mensch-Maschine-Interaktion wesentlich erleichtern und unterstützen.
Da die technischen Einrichtungen und die Expertise der beiden Institute
sich gut ergänzen, werden wir eine Kooperation eingehen, um unsere sich
überschneidenden Forschungsziele zu verfolgen. Das gegenwärtige Ziel
ist, den Wissenstransfer zwischen den beiden Gruppen zu ermöglichen und
den Grundstein für weitere kooperative Forschungsprojekte durch einen
Forscher-Austausch zu legen.
Abschlussbericht
Im Juli 2008 hat Dr. Freek Stulp von der IAS-Gruppe das CLMC-Labor im Rahmen
eines zehntätigen Forschungsaufenthalts besucht. Aus vielen anregenden
Diskussionen entstanden zwei konkrete Forschungsanträge, um die Zusammenarbeit
fortzusetzen. Zunächst ergab sich daraus ein Antrag für ein JSPS Post-Doc
Stipendium am Advanced Telecommunications Research Institute International in
Kyoto, Japan. Dieses Institut kooperiert seit vielen Jahren intensiv mit dem
CLMC-Labor; sie verwenden auch ähnliche Hard- und Software. Dr. Stulp war vom
15.01.2009 bis 15.03.2009 am ATR tätig und arbeitete in enger Abstimmung mit
Forschern vom ATR und dem CLMC-Labor an der Erstellung einer Bibliothek
'Dynamischer Bewegungs Primitiven' für den Humanoidroboter CB-i.
Der zweite Antrag, der ebenfalls bewilligt wurde, betraf ein DFG-Stipendium, mit
dessen Hilfe Dr. Stulp ab August 2009 am CLMC-Labor forschen wird. Das genaue
Ziel dieses Forschungsprojekts besteht darin, kompakte Modelle der
Bewegungsprimitiven aus Beobachtungen der menschlichen Interaktion wie auch der
Roboterinteraktion mit Gegenständen zu erstellen und sie im Rahmen der
Aneinanderreihung von Bewegungsprimitiven in alltäglichen Handlungen anzuwenden.
Kompakte interne Modelle vereinfachen die Bewegungsplanung mit
Bewegungsprimitiven und ermöglichen dem Roboter, auf Störungen geschmeidig und
flexibel zu reagieren. Kompakte Modelle sind Abstraktionen der
hoch-dimensionalen Komplexität niedriger Bewegungsprimitiven und stellen den
höheren Entscheidungsniveaus nur einige Aufgaben-relevante Parameter zur
Verfügung. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die folgenden Forschungsziele
gesetzt: 1) der Erwerb stereotypischer Greifbewegungen durch den Roboter, der
bereits teilweise am ATR verwirklicht worden ist; 2) das Lernen kompakter
Modelle für diese Bewegungen, mit Hilfe von Interaktionsdaten von Menschen wie
Robotern; 3) die Verkettung und Optimierung einiger Bewegungsprimitiven, wobei
nur einige Aufgaben-relevante Parameter verwendet werden. Die Roboterplattform,
auf der diese Forschung durchgeführt wird, ist der CB-i – einer der
höchstentwickelten humanoiden Roboter weltweit.