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Förderbeginn 01.07.2015
Hochaufgelöste Simulationen der geologischen Entwicklung des Erdmantels
Dr. Bernhard Schuberth
Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Geophysik - Department Geo- und Umweltwissenschaften
Dr. Nathan Simmons
Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL)
Atmospheric, Earth, and Energy Division
Computersimulationen der Konvektion im Erdmantel auf Höchstleistungsrechnern können Aufschluss über die Antriebskräfte der Plattentektonik und die Spannungsverteilung in der Lithosphäre geben. Ausschlaggebend ist hierbei die Möglichkeit, Simulationen rückwärts in der Zeit laufen zu lassen, wofür Kenntnisse über die Struktur des Erdmantels zum heutigen Zeitpunkt (aus geologischer Sicht) notwendig sind. Diese können durch sogennante seismische Tomographie gewonnen werden, einer Technik ähnlich der medizinischen Röntgen-Computertomographie. Die Kollaboration der LMU München mit dem LLNL ermöglicht fundierte geodynamische Interpretationen des neusten hochaufgelösten Tomographiemodells der LLNL Gruppe auf der einen, und gleichzeitig ein Integrieren dieses Modells in die Computersimulationen der LMU Gruppe auf der anderen Seite. Ergebnis dieser Bemühungen werden verschiedenste rückwärts in der Zeit laufende Szenarien des Mantelflusses sein, die durch geologischen Beobachtung verifiziert werden können. Übergeordnetes Ziel unserer Forschung ist es, die Auftriebskräfte zu bestimmen und bessere Kentnisse über das rheologische Verhalten des Erdmantels zu gewinnen.
Abschlussbericht
Computersimulationen der Konvektion im Erdmantel im Bereich des Höchstleistungsrechnens
können Aufschluss über die Antriebskräfte der Plattentektonik und die Spannungsverteilung in der
Lithosphäre geben. Ausschlaggebend ist hierbei die Möglichkeit, Simulationen rückwärts in der
Zeit laufen zu lassen (sog. adjungierte Simulationen), wofür Kenntnisse über die Struktur des
Erdmantels zum heutigen geologischen Zeitpunkt notwendig sind. Diese können durch sogennante
seismische Tomographie gewonnen werden, einer Technik ähnlich der medizinischen Röntgen-
Computertomographie. Das Hauptziel der Zusammenarbeit zwischen der LMU München und dem
Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) war, eine geeignete Vorgehensweise zu
entwickeln, um das tomographische Modell der LLNL Partner in den Modellierungsansatz der
LMU Geodynamikgruppe für die adjungierten Simulationen zu integrieren. Die enge Kooperation
zwischen beiden Partner hat zu einem tieferen Verständnis der internen Struktur und Dynamik der
Erde beigetragen. Insbesondere wurde die Frage untersucht, wie tomographisch erzeugte Bilder der
seismischen Strukturen im tiefen Erdmantel in Bezug auf dessen thermischen Zustand interpretiert
werden sollten. Von den durch seismische Tomographie bestimmbaren Parametern ist die
Gesteinsdichte am direktesten mit der Temperatur verknüpft. Die Dichte-Bestimmungen tragen aber
dabei große Unsicherheiten und sind somit für die praktische Anwendung in unserem Projekt nicht
brauchbar. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit seismischer Wellen dagegen ist besser bestimmbar
und kann mithilfe mineralogischer Modelle in Temperaturen umgerechnet werden.
Im Zuge des BaCaTeC Projektes haben wir herausgefunden, dass die seismisch abgebildeten
Strukturen nicht vollständig konsistent mit der erwarteten Mantelmineralogie sind, was an den
jeweils zugrunde liegenden Unsicherheiten in den beiden Ansätzen liegt. Auf diese Inkonsistenzen
muss bei der Bestimmung des thermischen Zustands der Erde aus den tomographischen Modellen
besonders geachtet werden, um nicht-physikalische Artefakte zu vermeiden. Im Laufe des Projektes
haben wir damit angefangen, spezielle Strategien zu entwickeln, um in Zukunft mit solchen nichtphysikalischen
Artefakten umgehen zu können und somit realistische Temperaturverteilungen
ausgehend vom Modell der LLNL Gruppe zu erhalten. Das bisher aus dieser Entwicklung
resultierende Modell des heutigen geologischen thermischen Zustands des Erdmantels wurde von
den LMU Partnern als Grundlage für eine Reihe von adjungierten Simulationen verwendet, die die
bislang ersten geodynamischen Retrodiktionen – also „Vorhersagen“ zurück in die für die
Menschheit nicht erschließbare Vergangenheit – für die letzten 40 Millionen Jahre der
Mantelkonvektion darstellen. Durch die Entwicklung geeigneter ineinandergreifender
Arbeitsschritte zur Verknüpfung tomographischer Modelle mit geodynamischen Simulationen
haben wir nun eine aussagekräftige Methode um unser theoretisches Verständnis über die Dynamik
des Erdinneren mit geologischen und geophysikalischen Beobachtungen abgleichen zu können.
Aus der Zusammenarbeit entstandene Publikationen:
Colli, L, Ghelichkhan, S., Chust, T., Steinle-Neumann G., Simmons N. and B.S.A. Schuberth,
“Estimating the buoyancy field for Earth's lower mantle using seismic and mineralogical
models”,Geophysical Research Abstracts, Vol. 18, EGU2016-16374, 2016.
Ghelichkhan, S., Colli, L., Chust, T., Schuberth, B.S.A. and N. Simmon, (2015), “Estimating the
Buoyancy Field for Earth's Mantle Using Seismic and Mineralogical Models”, Abstract DI51A-
2618 presented at 2015 Fall Meeting, AGU, San Francisco, Calif., 14-18 Dec.
Ghelichkhan, S., M. Murböck, L. Colli, R. Pail, and H.-P. Bunge, On the observability of
epeirogenic movement in current and future gravity missions, Gondwana Research (in press).
Colli, L., S. Ghelichkhan, H.-P. Bunge, and J. Oeser, Retrodictions of Mid-Paleogene mantle flow
and dynamic topography in the Atlantic region from compressible high resolution adjoint mantle
convection models: sensitivity to deep mantle viscosity and tomographic input model, Gondwana
Research (in press).